Bügeln, meditieren und positive Psychologie

Hast du schon mal überlegt, wie Bügelwäsche (oder natürlich jede andere Pflichtaufgabe) dein Belohnungssystem aktiviert und warum es für manche „schönen“ Aufgaben erst deine Erlaubnis braucht?

Mal Hand aufs Herz. Bügelst du gerne? Oder machst du es widerwillig, weil es ja gemacht werden muss? Oder kannst du dir den Luxus leisten, bügeln zu lassen?
Ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion starten, wer bügeln sollte – also im Bezug auf Rollenverteilung etc.

Dampfbügelstation in meinem Keller

Worauf ich mit diesem Artikel hinaus möchte, ist die Wirkung von erledigten Aufgaben im Gegensatz zu Prokrastinieren auf seinen Hormonspiegel.

Wenn du also selbst bügeln musst, wie organisierst du diese Tätigkeit?
Bist du Team „voller Korb, heute nur was ich morgen anziehe“ oder Team „zeitnah nach der Wäsche und alles auf einmal“? Oder lässt du dich gar von dem vollen Wäschekorb, der mitten im Wohnzimmer steht, ständig geradezu anschreien?

Symbolbild Wäscheberg

Ich bin eigentlich im zweiten Team, allerdings verschiebe ich auch schon mal auf den nächsten Waschtag, um mich dann zu ärgern, dass es doch wieder viel ist. Wobei „viel“ auch relativ ist bei zwei Personen und bügelleichten Hemden und Oberteilen, die nur mal einen Dampfstoß benötigen. Mir ist das manchmal auch mit fünf Teilen zu viel – du weißt schon, meine Fatigue.
Zurück zum eigenen Belohnungssystem und Hormonspiegel.
Als ich letztens gebügelt habe, fiel mir wieder einmal auf, dass ich gerne bügele und es wie Meditation für mich ist. Quasi eine bewegte Meditationsform, die noch dazu ein sichtbares Ergebnis erzeugt.
Dabei kamen mir viele Gedanken und auch die Idee, mal einen Artikel darüber zu schreiben. Den liest du jetzt gerade.

Kennst du das eigentlich auch, dass du dir schöne Sachen erst erlaubst, wenn du die längst überfällige Pflicht erledigt hast? Also bei mir ist das tatsächlich oft so. Im Hinterkopf schwirrt immer das Bild des z.B. seit Wochen vollen Wäschekorbs und ich verbiete mir solange angenehme Tätigkeiten wie Hobbys o.ä. bis die Aufgaben erledigt sind 

Und was ist dann? Dann habe ich weder etwas geschafft noch mir etwas gegönnt. Dann wächst der Ärger darüber, dass ich schon so lange verschoben habe und so weiter… Bescheuerte Spirale, du weißt schon. Übrigens erlaube ich mir erst ein neues Handarbeitsprojekt anzufangen, wenn das vorige fertig ist – das ist genauso bescheuert. Denn dadurch mache ich mir Druck, die Laune sinkt und die Motivation wird dadurch definitiv nicht größer. Ich sollte mal über eine Strategieänderung nachdenken. Darüber sinniere ich demnächst mal gründlicher nach und werde vielleicht auch etwas dazu schreiben.

Manche tauschen einfach Pflicht gegen Kür und machen nur schöne Dinge, regen sich dann über die unerledigten Aufgaben auf und sind ggf. unzufrieden, obwohl sie ja ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen sind. Auch nicht die ideale Lösung.
Und wieder andere bügeln gar nicht – ja, geht auch, wenn man gerne zerknittert rumläuft und nicht unbedingt bei einer Bank oder so beschäftigt ist.

Also das käme bei uns nicht in Frage. Ich bügle zumindest keine Unterwäsche, Küchenhandtücher oder Bettwäsche, nur die Oberteile habe ich gerne glatt.
Also habe ich als ToDo-Listen-Nutzerin mir einen festen Terminen für Pflichtaufgaben geschaffen. Ich bügele alle drei Wochen mittwochs bzw. freitags, je nachdem wann mein planmäßiger Waschtag war (circa alle 10 Tage darf meine Bügelstation also ran). Und meistens ist der Wäschekorb danach wirklich auch leer.

leerer Bügelwäschekorb in meinem Keller

Ich möchte hier nichts über den Sinn oder Unsinn von ToDo-Listen erörtern. Jeder muss selbst wissen, ob und in welchem Umfang solche Listen gut für einen sind, ob man vielleicht auch seine Ich-Zeit oder Zeiten für Hobbys darin aufnimmt.
In einem anderen Blogartikel habe ich schon mal etwas über Pläne aus meiner Sicht und mit Blick auf meine Fatigue geschrieben.

Meistens funktioniert meine ToDo-Liste auch. Aber eben nur, weil ich sonst nicht viel zu erledigen habe an diesen Tagen, weil ich mir den Tag genau dafür frei gehalten habe – bzw. die Zeit großzügig und auch Pausen einplane.
Und als luxuriöse Zugabe kann ich immer noch entscheiden, doch nicht zu bügeln  (und dann geht es eben mit der Prokrastinationsschleife weiter).

So, also schauen wir mal weiter und nehmen an, dass ich gebügelt habe. Damit kreiere ich mir persönlich nun zum einen meine Erlaubnis für meine Lieblingsbeschäftigung. In meinem persönlichen Fall wären es z.B. Handarbeiten.
Wenn es nun meine Fatigue zulässt „darf“ ich jetzt bis zum nächsten vollen Wäschekorb handarbeiten, Spaß haben usw.
Zum anderen freue ich mich darüber, diese Aufgabe erledigt zu haben, es geschafft zu haben und ein Häkchen in meiner ToDo-App setzen zu können. Ich bin zufrieden damit und mit mir. Das kann manchmal so einfach sein.

Erledigte Aufgaben erhöhen den Dopamin-Spiegel und du spürst ein wohliges Gefühl. Eine Art Belohnung. Ohne jetzt genau wissenschaftlich auf die ganzen Wirkungen von Dopamin einzugehen, nur kurz:

Dopamin dient im Gehirn der Kommunikation der Nervenzellen untereinander, ist also ein Nervenbotenstoff (Neurotransmitter). In bestimmten „Schaltkreisen“ vermittelt er dabei positive Gefühlserlebnisse („Belohnungseffekt“), weswegen er – so wie auch Serotonin – als Glückshormon gilt. Im Vergleich zu Serotonin bewirkt Dopamin aber eher eine längerfristige Motivationssteigerung und Antriebsförderung. Quelle: Netdoktor.de

Somit hat das erledigen der Bügelwäsche eigentlich nur Vorteile. Erledigung, Glückshormone und Belohnung (die du dir natürlich auch in deiner bevorzugten Form selbst gönnen darfst, wenn der Anblick des leeren Wäschekorbs nicht Belohnung genug ist).
Ich liebe es, während ich bügelmeditiere und wenn ich anschließend fertig bin und die schön aufgereihten Bügel auf dem Wäscheständer sehe.

fertige Bügelwäsche aufgebügelt

Einen Pluspunkt habe ich übrigens noch vergessen: wenn man die Möglichkeit hat, in einem separaten Raum zu bügeln – egal ob Keller, Schlafzimmer, Waschküche etc. – dann hat man sogar noch ein kleines bisschen Zeit für sich, kann die Musik aufdrehen, in sich gehen, Glotze dabei schauen – was auch immer, vielleicht mal ohne PartnerIn, Kinder, Schwiegereltern in Hörweite. Sorry, der Punkt ist nicht wirklich 100% ernstgemeint – aber kann…

Also los, Bügeleisen an, Bügelbrett aufstellen und loslegen.

Jetzt muss bei mir nur noch das Hemden-Taxi kommen. Das übernimmt mein Schatz auf Zuruf, an den ich ihn auch nicht alle 6 Monate erinnern muss.
Das ist natürlich Spaß, ein Witz gewesen. Noch bevor der Artikel veröffentlicht ist, sind die gebügelten Oberteile schon in den Schränken verstaut.

Ich hoffe, der Artikel hat dir gefallen. Wie immer ein Mix aus Persönlichem, (nicht ganz ernst gemeinten) Tipps, Hintergrundinfos und Links.

Wenn du mir einen Kommentar hinterlassen magst, freut sich übrigens mein Glückshormonspiegel auch sehr.

Daniela Schillmöller - Glückspraktikerin

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